Do you see me # 1+ 2, loop, 2012
16:9, 1 video channel, 1 sound channel

Lu Nguyen das künstlerische Arbeiten und das Leben mit der Kunst an sich. Dabei setzt sie sich selbst in Szene und verwendet ihren eigenen Körper, wie in vielen ihrer Arbeiten, als künstlerisches Medium. Sie beschreibt uns eine Welt der Arbeit mit Kunst , wie sie der romantisierende Kunstfreund nicht erwartet. Ein für sie existentielles Thema situiert zwischen Ernstheit und feinsinnigem Humor. 

Ein Teil von Lu Nguyen´s Installation “Do you see me“ wird zunächst als ein verschlossener Kunsttransport präsentiert. Ein Hubwagen trägt eine Kunsttransportkiste, die sich als eine Art mobiles Atelier entpuppt. Im Inneren der Kiste steht ein quadratischer, weißer Tisch. Davor ein Hocker als unbequemes Sitzmöbel, nicht gerade der Polsterstuhl einer Chefetage. Die Kiste wird von oben geöffnet und ein Videofilm projiziert sich auf die Tischplatte. Man sieht im Film einer Person über die Schulter, die helle und dunkle Reiskörner voneinander trennt. In großer Ruhe ohne Akribie. Im Sortieren entstehen Muster und Bilder die sich auflösen und neu formieren, sich ständig verändern. Ein endloser Arbeitsvorgang ohne beschriebenes Ziel. Diese Arbeit setzt sich im Video ins Unendliche fort, und ist eine Anspielung auf die Tatsache, dass im Künstlerleben die Arbeit eine ständige Präsens hat. Auch wenn ein Arbeitsabschnitt erledigt ist, bleibt die künstlerische Vision offen. Sie schläft nie und erzeugt ein Dauerflirren, eine immer währende Aufbruchstimmung.

Ganz gleich, wie weit der Reis sortiert wurde oder nicht, es gibt kein “Fertig“. Die Kunst ist ein fließender Prozess, der durch eine Haltung und Fragestellungen Form bekommt. Jedes Kunstwerk ist ein Ausschnitt aus der großen Absicht. Im Video arbeitet die Künstlerin unnachgiebig mit ihrem Reis weiter, ohne ihre Haltung aufzugeben.

Im zweiten Teil der Installation, wieder ein Video, sieht man die Künstlerin selbst, vervielfältigt auf einer Tribüne sitzen. Sie blickt wie ein Publikum, mit gleichbleibender Miene zum Bildbetrachter und applaudiert. Sie applaudiert, lobt sich selbst, in Anspielung darauf, dass sie in ihrem Künstlerleben nicht nur nach positivem Zuruf weiterarbeitet, sondern sich selbst motiviert. Wer sich vom äußeren Lob abhängig macht, ist verloren - so könnte man dieses Bild interpretieren. 

Das Bild der applaudierenden Menge, mit immer dem gleichen Gesicht und mit immer der gleichen Arbeitskleidung wirkt farblich verspielt. Der technischen Möglichkeit des Video, exakt zu multiplizieren, ist ein Spiel mit sympathischen Farbabweichungen entgegengesetzt. Diese wirken wie die farblichen Verschiebungen z.B. beim Siebdruck. Ein Hinweis auf die künstlerischen Möglichkeiten selbst, auf Ihre vielfältigen Ausdrucksweisen.

 

Ele Hermel